Schriftklassifikation

Venezianische Renaissance-Antiqua

Gruppe I

schrift.1

schrift.1.merkmale

Frühe Druckschrift, abgeleitet von der humanistischen Minuskel. Die Grossbuchstaben basieren auf der römischen Capitalis, die Kleinbuchstaben auf der karolingischen Minuskel. Die Schrift hat kräftige, ausgerundete Serifen und die Schattenachsen sind nach links geneigt. Der Querstrich des «e» liegt meist schräg. Sie besitzt keine betonten Gegensätze in der Strichführung.

Französische Renaissance-Antiqua

Gruppe II

schrift.2

schrift.2.merkmale

Druckschrift aus dem 16. Jahrhundert. Die Strichstärkenunterschiede sind stärker betont als bei der venezianische Renaissance-Antiqua. Die Schattenachse hat sich leicht aufgerichtet. Die Handschriftlichen Züge wurden etwas geglättet, so ist der Querstrich beim «e» hier meistens waagrecht, die Serifen weniger ausgerundet.

Barock-Antiqua

Gruppe III

schrift.3

schrift.3.merkmale

Schriften aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Beeinflusst vom Kupferstich. Die Strichstärkenunterschiede sind weiter gewachsen, die Serifen werden dadurch dünner. Sie sind meist kaum mehr abgerundet und ihr Ansatz ist waagrecht. Die Schattenachse steht nun senkrecht.

Klassizistische Antiqua

Gruppe IV

schrift.4

schrift.4.merkmale

Erreichte ihre höchste Blüte um 1800. Maximale Strichstärkenunterschiede zwischen vertikalen und horizontalen Linien. Die Serifen bilden mit den Grundstrichen einen rechten Winkel und Schattenachsen stehen vertikal.

Serifenbetonte Linear-Antiqua

Gruppe V

schrift.5

Kamen zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf. Weisen im Grundstrich meist kaum Strichstärkenunterschiede auf (ausser bei der Clarendon). Dafür Werden die Serifen stark betont und sind meist mindestens gleich dick wie der Grundstrich (bei der Italienne sogar dicker).

Serifenlose Linear-Antiqua

Gruppe VI

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Wird oft auch als Grotesk bezeichnet. Sie entstand auch Anfangs des 19. Jahrhunderts und zeichnet sich durch das Fehlen von Serifen aus. Ansonsten ist die Variation innerhalb dieser Gruppe sehr gross. So weisen viele Groteskschriften z.B. keine Strichstärkenunterschiede auf, es gibt aber auch etliche Vertreter die sich in diesem Punkt an der Renaissance-Antiqua orientieren.

Antiqua–Varianten

Gruppe VII

schrift.7

In diese Gruppe gehören vor allem alle Zier- und Fantasieschriften. Antiqua-Varianten werden meist zur Verzierung gebrauch und es wird keinen allzu grossen Wert auf eine gute Lesbarkeit gelegt. Varianten die in ihrem Grundcharakter eindeutig einer der anderen Gruppen zugeordnet werden kann, werden in die entsprechende Gruppe eingeordnet.

Schreibschriften

Gruppe VIII

schrift.8

In diese Gruppe gehören solche Schriften, die einer Handschrift nachempfunden sind. Sie sind nach rechts geneigt, aber nicht eine Kursive einer anderen Schrift. Meistens sind die Buchstaben zumindest teilweise miteinander verbunden.

Handschriftliche Antiqua

Gruppe IX

schrift.9

Hierhin gehören Schriften die zwar auf einer Antiqua basieren, in ihrem Duktus aber nach dem Vorbild einer Handschrift abgewandelt wurden. Sie stehen im Gegensatz zu den Schreibschriften aber immer noch senkrecht und die Buchstaben sind untereinander nicht verbunden.

Gebrochene Schriften

Gruppe X

schrift.10

Gotisch

Gruppe Xa

Eng und hochstrebend. Kleinbuchstaben sind durchgehend gebrochen und oft mit Haarstrichen verziert.

Rundgotisch

Gruppe Xb

Die Formen sind zum Teil rund, zum Teil gebrochen. Wenig Verzierungen.

Schwabacher

Gruppe Xc

Gebrochene, normal breite Kleinbuchstaben mit leichten Rundungen. Versalien sind sehr breit.

Fraktur

Gruppe Xd

Gebrochene, schmale Kleinbuchstaben. Oberlängen sind zum Teil gegabelt. Versalien sind Schwungvoll mit vielen Ausläufern.

Fraktur-Varianten

Gruppe Xe

Kanzleischriften aus dem 19. Jahrhundert. Fanden meist als Zierschriften Verwendung und sind dementsprechend raffiniert ausgeschmückt.

Fremde Schriften

Gruppe XI

In diese Gruppe gehören alle Schriften die nicht auf dem lateinischen Alphabet basieren.


Alternativen

Die Klassifizierung nach DIN ist zwar im deutschsprachigen Raum sehr verbreitet, international jedoch weniger. Auch die Terminologie ist z. B. im Englischen sehr viel anders als auf Deutsch (Gothic bezeichnet z. B. Serifenlose Schriften).

Ein noch grösseres Problem dieser Klassifizierung ist, dass sie vor allem historisch orientiert ist. Sie geht darum viel zu wenig auf aktuelle Strömungen in der Schriftgestaltung ein und ist zudem im Alltag nicht sehr nützlich.

Indra Kupferschmied schlägt deshalb eine dreistufige Klassifizierung nach vor, die sich mehr am Erscheinungsbild orientiert:

Erste Ebene (Skelett):

dynamische

dynamisch

Dies ist das Formprinzip das am ehesten den Renaissance-Antiquas entspricht

statische

statisch

Entspricht am ehesten den klassizistischen Antiquas.

geometrische

geometrisch

Entspricht am ehesten den konstruierten Schriften wie Futura.

dekorative

dekorativ

Die Buchstaben folgen keinem der oben genannten Formprinzipien. Man darf sich jedoch nicht von Zierschriften täuschen lassen, deren Aussehen zwar unkonventionell ist, die aber trotzdem auf einem der oben genannten Formprinzipien beruhen.

Zweite Ebene (Fleisch):

Dritte Ebene (Haut):

Hier können weitere Merkmale und Besonderheiten im Sinne von «Tags» hinzugefügt werden.

Quellen